Das Lächeln von Dr. Carsten Linnemann: Ein Vorbild für gesundheitsbewußtes Leben?
In unserer täglichen Praxis analysieren wir naturgemäß das Lächeln von Personen, die stark im öffentlichen Leben stehen. Betrachtet man das Gebiss von unserem neuen Gesundheitsminister, fällt dem geschulten Auge sofort eine sehr harmonische, gut ausgeformte Bogenstruktur der Zähne auf.
Ob Dr. Carsten Linnemann in seiner Jugend oder im Erwachsenenalter eine kieferorthopädische Behandlung genossen hat, lässt sich ohne einen Blick in die Behandlungsakte natürlich nicht abschließend sagen. Das visuelle Ergebnis spricht jedoch für sich: Es zeigt einen Menschen, der offensichtlich großen Wert auf Prävention, Pflege und Zahngesundheit legt. Dieses Gesundheitsbewusstsein scheint bei ihm deutlich stärker ausgeprägt zu sein als im Durchschnitt der Bevölkerung.
Ein Politiker, der Gesundheit und Disziplin auch durch sein Äußeres verkörpert, setzt ein starkes Zeichen. Doch wir Fachzahnärzte für Kieferorthopädie stehen täglich an der Basis und sehen, wo das Gesundheitssystem aktuell massiv bremst. Aus unserer jahrzehntelangen Erfahrung haben wir daher einen konkreten 10-Punkte-Plan an die Gesundheitspolitik formuliert.
Unsere 10 Forderungen für eine zukunftsfähige Kieferorthopädie an Dr. Carsten Linnemann
Damit moderne Kieferorthopädie kein Privileg für Besserverdienende wird, sondern eine fundamentale Säule der Allgemeingesundheit bleibt, bedarf es dringend der folgenden politischen Weichenstellungen:
1. Jährliche KFO-Vorsorgeuntersuchung ab dem 4. Lebensjahr
Wir empfehlen dringend, eine jährliche, kassenfinanzierte Vorsorgeuntersuchung für Kieferorthopädie ab dem 4. Lebensjahr einzuführen. Eine solche Früherkennung ist kostengünstig und verhindert, dass sich Fehlentwicklungen des Kiefers verfestigen.
2. Prophylaxe als volkswirtschaftliche Kostenbremse nutzen
Eine gute kieferorthopädische Vorsorge von Kindheit an spart dem Gesundheitssystem und den Krankenkassen auf lange Sicht riesige Summen. Wer frühzeitig Fehlstellungen korrigiert, vermeidet spätere, extrem teure Zahnersatz- und Parodontose-Behandlungen.
3. Moderne Kieferorthopädie in den GKV-Katalog aufnehmen
Die Kieferorthopädie ist eines der wenigen Fachgebiete, in denen in den letzten Jahrzehnten kaum echte Innovationen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) übernommen wurden. Innovative Materialien und digitale Verfahren müssen endlich allen Patienten zugänglich gemacht werden.
4. Erhalt und volle Finanzierung der KIG-Stufe 3
Es gibt immer wieder politische Diskussionen, Behandlungen erst ab schweren Fehlstellungen (KIG-Stufe 4 und 5) zu bezahlen. Das ist medizinisch fatal. Die KIG-Stufe 3 muss zwingend erhalten bleiben, das vermeitlich „mittlere“ Fehlstellungen unbehandelt häufig zu schweren funktionellen Schäden führen.
5. Folgekosten bei Orthopädie, Physiotherapie und CMD stoppen
Wenn Zähne und Kiefer nicht richtig zusammenpassen, entsteht eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Diese löst chronische Nacken- und Rückenschmerzen aus, führt zu Arbeitsausfällen und verursacht horrende Kosten in der Orthopädie, Physiotherapie und Osteopathie. Eine restzeitige KFO-Behandlung verhindert diese Kaskade.
6. Fokussierte, straffe Behandlungszeiten
Wir wünschen uns Behandlungsstrukturen, die auf einen kompakten Zeitraum ausgelegt sind und die auch die Patienten motivieren, ihre Zahnspangen ausreichend zu tragen. In dieser Phase sollte mit vollem Einsatz aller modernen Mittel behandelt werden können, anstatt Prozesse unnötig über viele Jahre zu verschleppen. Mit Chips in den Zahnspangen kann die Tragezeit der Zahnspange überwacht werden.
7. Das Verständnis für das Gesicht im Wandel stärken
Das Gesicht eines Menschen verändert sich im Laufe des Lebens stetig. Durch muskuläre Anpassungen, Mimik und Gewebeumbau kommt es unweigerlich zu Veränderungen an den Zähnen. Die Politik muss verstehen, dass Kieferorthopädie keine einmalige Reparatur ist, sondern ein dynamischer Prozess, der eine lebenslange Retention erfordert.
8. Lebenslange Überwachung der Behandlung (Retention)
Wir wünschen uns von den gesetzlichen Krankenkassen das tiefe Verständis dafür, dass eine kieferorthopädische Behandlung lebenslang überwacht werden sollte. Die Behandlungsverantwortung endet nicht an dem Tag, an dem die aktive Zahnspange entfernt wird. International ist angekannt, dass eine „lifelong retention“ notwendig ist.

9. Stabilität durch regelmäßige Retainer Kontrollen
Wenn die eingesetzten Retentionsgeräte (Haltespangen oder feste Drähte) regelmäßig – am besten einmal jährlich -fachzahnärztlich überprüft werden, lässt sich das Kausystem extrem gut und langfristig stabil halten. Auf diese kontinuierliche Überwachung muss in Zukunft ein viel größerer Wert gelegt werden, um Rückfälle (Rezidive) zu vermeiden und die initiale Investition der Krankenkassen zu sichern.
10. Ganzheitliches Denken fördern und Fachtradition schützen
Die starre Trennung zwischen Kieferorthopädie, Allgemeinmedizin und Orthopädie ist veraltet. Wir fordern eine Gesundheitspolitik, die den Körper als Einheit begreift. Fachgebiets-Tradition der Kieferorthopädie in Deutschland hat eine weltweite Erfolgsgeschichte – diese Expertise muss interdisziplinär gestärkt und gefördert werden.
FAQ – Fragen zur Gesundheitspolitik und Kieferorthopädie
Die „Kieferorthopädischen Indikationsgruppen“ (KIG) teilen Fehlstellungen in die Stufen 1 bis 5 ein. Erst ab KIG-Stufe 3 übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Grundversorgung bei Kindern und Jugendlichen. Bei KIG 1 und 2 müssen Eltern die Behandlung komplett selbst zahlen, obwohl, wie beim Deckbiss, auch hier oft schon Handlungsbedarf besteht.
Zähne haben ein sogenanntes „Gedächtnis“ und das Gesicht verändert sich ein Leben lang. Ohne eine lebenslange Retention (Sicherung durch Drähte oder Schienen) und deren regelmäßige Kontrolle durch den Facharzt verschieben sich die Zähne fast immer wieder in ihre alte Fehlstellung zurück.
Ja, das ist medizinisch eindeutig belegt. Das Kiefergelenk ist über Muskelketten und Nervenbahnen direkt mit der Halswirbelsäule und der Beckenstatik verbunden. Ein falscher Biss überträgt Fehlspannungen nach unten, was zu Nackenschmerzen, Beckenschiefständen und chronischen Rückenproblemen (CMD) führen kann.
Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde nicht von Aligner- oder Dentalherstellern bezahlt und orientiert sich an wissenschaftlichen Fachgesellschaften.


