Nach der aufwendigen Kieferorthopädie folgt die wichtigste Phase: die Retention. Viele Patienten fragen sich: „Brauche ich wirklich einen festen Retainer und eine herausnehmbare Schiene?“ Die Antwort lautet: Ja, um das Ergebnis dauerhaft zu sichern, ist ein kombiniertes System der Goldstandard.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Retainer eigentlich?
- Die Positionierung: Von Eckzahn zu Eckzahn und darüber hinaus
- Wichtiger Hinweis: Kopfschmerzen durch Retainer?
- Herausnehmbare Retainer: Warum lebenslanges Tragen Pflicht ist
- Materialien und Technologie für festsitzende Retainer
- Die Kombination macht den Unterschied: Sicherheit durch Redundanz
- FAQ
- Fazit
Was ist ein Retainer eigentlich?
Ein Retainer dient dazu, die Zähne nach der aktiven Behandlung in ihrer neuen Position zu stabilisieren, da sie dazu neigen, in ihre ursprüngliche Fehlstellung zurückzukehren (Rezidiv). Man unterscheidet zwei Hauptformen:
- Festsitzende Retainer (Lingualretainer): Ein dünner Draht, der fest auf die Innenseite der Frontzähne geklebt wird.
- Herausnehmbare Retainer: Diese werden nachts getragen und bestehen entweder aus transparenten Schienen (Essix-Schienen) oder aktiven Platten.
Die Positionierung: Von Eckzahn zu Eckzahn und darüber hinaus
Standardmäßig wird der Lingualretainer im Ober- und Unterkiefer von Eckzahn zu Eckzahn (3-3) geklebt. Es gibt jedoch medizinische Indikation für Erweiterungen:
- 4-4 Retention: Wenn die ersten kleinen Backenzähne (Prämolaren) stark rotiert waren, empfiehlt sich die Befestigung von 4 bis 4, um die Stabilität in der Seitenzahnregion zu erhöhen.
- 2-2 Retention: Bei sehr tiefem Biss im Oberkiefer kann eine verkürzte Klebung von 2 bis 2 sinnvoll sein, um mechanischen Stress zu vermeiden.
Wichtiger Hinweis: Kopfschmerzen durch Retainer?
Bei hochsensiblen Patienten kann ein durchgehender Oberkiefer-Retainer die Schädelatmung (Craniale Dynamik) beeinträchtigen. Die Schädelnähte sind minimal beweglich; ein starrer Draht kann hier blockieren und zu chronischen Kopfschmerzen oder Migräne führen. In solchen Fällen ist es ideal, den Draht in der Mitte zu trennen (3-1 und 1-3), um die Flexibilität zu erhalten.
Herausnehmbare Retainer: Warum lebenslanges Tragen Pflicht ist
Zähne und Kiefer verändern sich ein Leben lang. Besonders bei einem Distalbiss (Rücklage des Unterkiefers) ist es essenziell, den Oberkiefer breit genug zu halten. Lässt man den herausnehmbaren Retainer weg, wandert der Unterkiefer oft in die Rücklage zurück.
- Hygienewechsel: Herausnehmbare Schienen sollten alle 1-2 Jahre erneuert werden, da Materialabrieb (Abrasion) die Passgenauigkeit mindert und Hygiene-Defizite entstehen können.
Materialien und Technologie für festsitzende Retainer
Die Qualität des Drahtes bestimmt den Langzeiterfolg:
- Materialien: Gold, Titan, Edelstahl.
- Technologie: Besonders präzise sind robotergebogene Retainer, die exakt an die individuelle Zahninnenfläche angepasst werden.
- Spezialformen; Memotain-Retainer (durch CAD/CAM gefräst) bieten höchste Passgenauigkeit. Keramik-Retainer haben sich aufgrund von Bruchanfälligkeit und schlechterer Adaption nicht in die Breite durchgesetzt.
Die Kombination macht den Unterschied: Sicherheit durch Redundanz
Der Goldstandard ist das Dual-System: Ein fest geklebter Retainer sichert die Frontzähne, während eine herausnehmbare Schiene oder Platte das gesamte Gebiss stabilisiert.
Vorteile der Kombination:
- Redundanz: Bricht der feste Retainer (z. B. Drahtbruch oder Kleberlösung), hält die herausnehmbare Schiene die Position bis zum nächsten Termin beim Kieferorthopäden.
- Schutz: Transparente Schienen dienen gleichzeitig als Kirschschutz (Bruxismus).
- Korrekturpotenzial: Platten können (z. B. als Vorschub-Doppelplatte) kleine Abweichungen aktiv korrigieren.
FAQ
Zähne haben ein „elastisches Gedächtnis“. Nach der aktiven Behandlung mit einer Zahnspange neigen sie dazu, sich wieder in ihre ursprüngliche, fehlerhafte Position zurückzubewegen (Rezidiv). Ein Retainer fixiert das erreichte Ergebnis und verhindert, dass sich die Lücken bilden oder Zähne erneut schief stehen. Da sich der Kiefer und die Zähne ein Leben lang leicht verändern können, ist eine langfristige Retention, idealerweise durch eine Kombination aus festen und herausnehmbaren Retainer, unerlässlich.
Bei sehr sensiblen Patienten kann eins starrer, durchgehender Retainer im Oberkiefer tatsächlich die natürliche, mimische Beweglichkeit der Schädelknochen (die sogenannte Schädelatmung) einschränken. Dies kann muskuläre Verspannungen und in der Folge Kopfschmerzen oder Migräne begünstigen. In einem solchen Fall ist es ratsam, den Lingualretainer im Oberkiefer mittig zu trennen, um die physiologische Flexibilität des Kiefers wiederherzustellen, ohne die Stabilität der Frontzähne zu gefährden.
Ein fester Retainer sollte mindestens einmal järhlich kieferorthopädisch kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass kleine Klebestellen gelöst oder Drähte gebrochen sind. Herausnehmbare Retainer-Schienen sollten idealerweise alle 1 bis 2 Jahre ausgetauscht werden. Dies ist nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig, sondern auch, weil das Material durch tägliches Tragen oder nächtliches Knirschen an Stabilität verliert und durch Abrasion (Materialabrieb) an Passgenauigkeit einbüßt.
Fazit
Die regelmäßige Kontrolle des festen Retainers (einmal jährlich) und das konsequente Tragen der herausnehmbaren Schiene sind der einzige Weg, eine erneute, kostspielige Zahnspange nach 4-6 Jahren zu vermeiden. Investieren Sie in Ihre Retention – für ein stabiles Lächeln bis ins hohe Alter.
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