Attachments sind winzige, zahnfarbene Kunststoffknöpfchen, die bei einer Aligner-Therapie (wie zum Beispiel Angel Aligner, Clear Correct, Invisalign, Smartee und Spark) auf die Zähne geklebt werden. Sie dienen der Verankerung der Zahnschiene und der gezielten Kraftübertragung für komplexe Zahnbewegungen (wie Rotationen oder Extrusionen). Da die falsche Anwendung oder mangelnde Tragedisziplin zu Behandlungsfehlern führen kann, geht der internationale Trend in der Kieferorthopädie hin zu optimierten Schienendesigns (High Trimlines), die den Einsatz von Attachments minimieren.
Was genau sind Attachments und woher stammt der Begriff?
Das englische Wort „Attachment“ bedeutet wörtlich übersetzt „Zusatzteil“ oder „Anheftung“. In der modernen Kieferorthopädie bezeichnen wir damit kleine Erhebungen aus zahnfarbenem Komposit (Kunststoff), die temporär auf den Zahnschmelz geklebt werden.
Während Invisalign den Begriff Attachment geprägt hat, nutzen andere renommierte Hersteller ähnliche Konzepte unter anderen Namen. So nennt beispielsweise die Firma Straumann bei ihrem System ClearCorrect diese Hilfsteile „Engager„. Unabhängig vom Namen erfüllen sie jedoch alle denselben Zweck.
Die zwei Hauptaufgaben von Attachments
- Verankerung (Retention): Sie sorgen dafür, dass die Kunststoffschiene fest auf der Zahnreihe sitzt und beim Sprechen oder durch die Rückstellkräfte des Materials nicht abrutscht.
- Kraftapplikation: Zähne sind von Natur aus rund und glatt. Bei komplexen Bewegungen würde die Schiene einfach abrutschen. Das Attachment fungiert als eine Art „Griff“, an dem die Schiene ansetzen kann, um den Zahn in die gewünschte Richtung zu schieben oder zu drehen.
Sichtbarkeit und Ästhetik: Die Sorge vieler Patienten
Die größte Hürde für Patienten ist die Ästhetik. Obwohl Attachments in der individuellen Zahnfarbe gestaltet werden, verändern sie die Lichtbrechung auf dem Zahn und machen die eigentlich „unsichtbare“ Schiene sichtbarer.
Die gute Nachricht: Attachments gibt es in verschiedenen Größen und Formen (abgeschrägt, rechteckig, ellipsoid). Für Patienten mit sehr hohen ästhetischen Ansprüchen besteht bei bestimmten Zahnbewegungen zudem die Möglichkeit, die Attachments lingual (auf der Innenseite der Zähne) zu platzieren. Dies erfordert jedoch eine exakte Planung durch einen erfahrenen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie.
Die Schattenseite: Wenn Attachments zum Risiko werden
Attachments sind kein Allheilmittel. Sie sind hervorragend für starke Rotationen (Drehungen) oder Extrusionen (Herausziehen eines Zahns aus dem Kiefer) geeignet. Doch sie bergen Tücken – insbesondere, wenn die Compliance (Tragedisziplin) des Patienten nachlässt.
Das „Aussteigen“ der Schiene
Wenn ein Patient seine Schienen nicht die geforderten 22 Stunden am Tag trägt, bewegen sich die Zähne nicht wie geplant. Die Folge: Die Ausbuchtungen in der Schiene passen nicht mehr exakt auf die Attachments auf dem Zahn. Die Schiene „steigt aus“.
Passiert dies, greift die Schiene nicht mehr unter das Attachments, sondern drückt von oben darauf. Dies kann fatale Folgen haben:
- Intrusion: Der Zahn wird unbeabsichtigt in den Kieferknochen hineingedrückt (er versinkt).
- Gegenläufige Bewegungen: Die Fehlbelastung kann den Zahn in eine völlig falsche Richtung kippen, was die gesamte Behandlungskette unterbricht.
Trimlines: Warum internationale Experten heute weniger Attachements nutzen
In der globalen Experten-Community findet aktuell ein Paradigmenwechsel statt: Weniger Attachements, mehr Schienenkontakt. Hierbei spielt die sogenannte „Trimline“ (die Schnittkante der Schiene) die entscheidende Rolle.
- Scalloped Trimline (Girlenadenförmig): Die Schiene wird exakt am Zahnfleischrand entlang ausgeschnitten (klassisch bei Invisalign). Dies ist sehr komfortabel, bietet aber weniger Haltbarkeit, weshalb oft viele Attachements zur Verankerung nötig sind.
- Straight / High Trimline (Gerade/Hoch): Die Schiene reicht etwa 2 bis 3 Millimeter über den Zahnfleischrand hinaus (häufig bei ClearCorrect oder Spark).
Der Vorteil der High Trimline: Da die Schiene den Zahn und einen Teil des Zahnfleisches großflächig umschließt, entsteht eine hervorragende natürliche Retention. Viele Experten verzichten daher zunehmend auf Attachements. Der direkte, vollflächige Kontakt zwischen Kunststoff und Zahn führt oft zu präziseren Zahnbewegungen als die punktuelle Kraftübertragung über ein Attachement.
Entscheidungshilfe: Wann sind Attachments sinnvoll?
| Indikation / Situation | Attachments empfohlen? | Begründung / Alternative |
| Starke Rotation (Zahn drehen) | Ja | Runde Zähne (z.B. Eckzähne) bieten der Schiene ohne „Griff“ keinen Halt. |
| Extrusion (Zahn herausziehen) | Ja | Ohne Attachements rutscht die Schiene am glatten Zahn ab. |
| Intrusion (Zahn hineindrücken) | Bedingt | Oft genügen Schienen mit High Trimline zur Kraftübertragung. |
| Kleine Lückenschließungen | Nein | Ein vollflächiger Schienenkontakt ist hier meist effizienter. |
| Mangelnde Tragedisziplin | Kritisch | Hohes Risiko für fehlerhafte Krafteinwirkung (Zahn versinkt). |
Was kosten Attachments?
Die Kosten für das Kleben und Entfernen der Attachments sind in der Regel in den Gesamtkosten Ihres individuellen Behandlungsplans (nach der Gebührenordnung für Zahnärzte – GOZ) enthalten. Isoliert betrachtet liegen die Material- und Arbeitskosten für das Applizieren meist bei etwa 15 bis 30 Euro pro Attachment. Da oft 10 bis 20 Attachments benötigt werden, ist dies ein fester Bestandteil der Kalkulation, der vor Behandlungsbeginn transparent ausgewiesen wird.
FAQ
Keine Panik. Tragen Sie Ihre aktuelle Schiene ganz normal weiter. Kontaktieren Sie am nächsten Werktag Ihre Praxis. Oft ist ein sofortiges Nachkleben nicht zwingend erforderlich, der Arzt sollte es jedoch für den weiteren Behandlungsverlauf dokumentieren und zeitnah erneuern.
Wenn Sie einen sichtbaren Spalt zwischen Schiene und Zahn erkennen (die Schiene ist „ausgestiegen“), versuchen Sie nicht, sie mit Gewalt aufzubeißen (z.B. mit sogenannten Chewies). Kontaktieren Sie Ihren Kieferorthopäden. Meist muss man eine Schiene zurückgehen oder einen neuen Scan anfertigen.
Attachments können anfangs voluminös wirken. Sollte das Komposit jedoch scharfe Kanten haben oder sich extrem verfärbt haben, kann Ihr Arzt es bei der nächsten Kontrolle leicht polieren oder erneuern.
Ein verlorenes Attachment ist kein medizinischer Notfall. Tragen Sie die Aligner konsequent weiter, um den bisherigen Fortschnitt zu halten. Vereinbaren Sie einen Termin direkt nach der Rückkehr Ihres Arztes.
Ja. Das Kompositmaterial kann durch Kaffee, Tee, Rotwein, Kurkuma oder Rauchen im Laufe der Zeit Farbpigmente annehmen. Eine gute Mundhygiene und das Vermeiden stark färbender Lebensmittel helfen, dies zu verhindern.
Nein, das Aufkleben ist absolut schmerzfrei. Es wird nicht gebohrt. Die Zähne werden lediglich gereinigt, leicht angeraut (mit einem Gel) und das Kunststoffmaterial wird mit einer speziellen UV-Lampe ausgehärtet.
Am Ende der Behandlung werden die Kunststoffknöpfchen mit einem speziellen, feinen Polierer sanft abgetragen. Der natürliche Zahnschmelz bleibt dabei völlig unversehrt.
Nein. Bei sehr leichten Fehlstellungen oder bei der Nutzung von Schienensystemen mit einer „High Trimline“ kann oft gänzlich auf Attachments verzichtet werden.
Nein. Das verwendete Komposit ist das gleiche Material, das auch für schonende Zahnfüllungen verwendet wird. Bei fachgerechter Entfernung bleibt der Schmelz intakt.
In den ersten Tagen muss sich die Mundschleimhaut an die Erhebung gewöhnen. Sollte ein Attachment besonders scharfkantig sein, können Sie vorübergehend kieferorthopädisches Schutzwachs auftragen, bis Ihr Arzt es leicht abrundet.
Transparenz-Hinweis: Die Artikel auf ilovemysmile.de werden nicht von Aligner- oder Dentalherstellern bezahlt und orientieren sich an wissenschaftlichen Fachgesellschaften.


